Zuverlässige optische Messungen erfordern neben einer sorgfältigen Kalibrierung auch eine umfassende Gerätevalidierung. Ziel der Validierung ist es, sicherzustellen, dass ein Messsystem unter realen Betriebsbedingungen präzise und reproduzierbare Ergebnisse liefert. Besonders bei komplexen optischen Aufbauten – wie Integrationskugeln zur Untersuchung streuender Medien – stellt dies eine Herausforderung dar, da verschiedene systematische Einflüsse das Messergebnis verfälschen können.
Ein leistungsfähiger Ansatz zur Bewältigung dieser Herausforderungen ist das Konzept des optischen Zwillings. Dabei handelt es sich um ein digitales Abbild des Messsystems und der Probe, das Monte-Carlo-Simulationen des Lichttransports mit analytischen Gerätemodellen kombiniert. Dieses virtuelle Modell beschreibt detailliert, wie sich Licht durch die Probe ausbreitet, mit Komponenten des Systems wechselwirkt und schließlich vom Detektor erfasst wird.
Durch den Vergleich von simulierten und gemessenen Signalen lässt sich überprüfen, ob das reale System den physikalischen Erwartungen entspricht. Gleichzeitig können nichtideale Effekte gezielt identifiziert und quantifiziert werden – etwa Portverluste, Störungen der Lichtdurchmischung oder direkte Detektorbeleuchtung in Integrationskugeln. Selbst kleine Abweichungen in diesen Bereichen können messbare Auswirkungen haben und werden durch den optischen Zwilling sichtbar gemacht.
Die Validierung erfolgt durch systematische Gegenüberstellung von Messdaten und Modellvorhersagen unter kontrollierten Bedingungen. Unterschiedliche Konfigurationen, wie Referenzstandards, offene Ports oder Proben mit bekannten Eigenschaften, werden dabei sowohl experimentell als auch in der Simulation betrachtet. Die Übereinstimmung dient als quantitative Bewertung der Systemleistung.
Ergänzend tragen Normierungsmessungen dazu bei, verbleibende Unsicherheiten – etwa durch Lichtquelleninstabilitäten – zu minimieren. Simulationbasierte Lookup-Tabellen ermöglichen zudem die Validierung über einen breiten Bereich optischer Eigenschaften hinweg, indem gemessene Reflexions- und Transmissionswerte mit modellierten Daten verknüpft werden.
Insgesamt macht der Einsatz optischer Zwillinge die Gerätevalidierung zu einem physikalisch fundierten, quantitativen Prozess. Dies erhöht die Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit optischer Messungen – insbesondere in anspruchsvollen Anwendungen wie der biomedizinischen Optik, Materialanalyse und Photonik.

Abteilungsleiter Quantitative Bildgebung / Sensorik
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